Vor 150 Jahren – der Deutsch-Französische Krieg, Fontane, Engels und Bismarck

Dez 28, 2020

Wartenburg im Juli 1870. In der sommerlichen Hitze eilte aufgeregt Pfarrer Georg Karl Adolf Brunner (1818-1895), seit 1849 in der Gemeinde tätig, in Richtung Schloss des Grafen Karl Julius Leopold von Hohenthal-Püchau. Die Gedanken schossen ihm kreuz und quer durch den Kopf.
Aus Wittenberg hatte er die Hiobsbotschaft erhalten, dass man in Preußen und in den anderen Ländern des Norddeutschen Bundes mobil machte, aber auch in Baden, Bayern und Württemberg. Brunner besaß gute Kontakte zum Königlich Preußischen 3. Brandenburgischen Infanterie-Regiment Nr. 20, später benannt als Graf Tauentzien von Wittenberg. Der Kommandierende Oberst Friedrich Gustav von Flatow (1820-1892) hatte es ihm persönlich brieflich mitgeteilt.
Aber schon wieder Krieg? Und nun gegen Frankreich?

Gedachte man nicht erst vor sieben Jahren, beim 50jährigen Jubiläum der Schlacht von Wartenburg, des unermesslichen Leids und der großen Not von 1813. Brunner hatte die Andacht gehalten, Lehrer Hermann Rudolf Dietlein eine Festschrift erstellt. Ein gutes halbe Jahr später trauerte die Gemeinde um ihren Sohn Ernst Friedrich Gotthelf Finke, der im Deutsch-Dänischen Krieg am 18. April 1864 bei Düppel in Südjütland gefallen war. 
Brunner hielt inne, suchte unbeholfen nach einem Taschentuch und wischte sich die Schweißperlen von der Stirn. In Richtung Wittenberg sah er schwarze Wolken aufziehen. Ein Zeichen? Nein!
Er atmete durch. Ja, ein kräftiges Gewitter könnte Abhilfe bringen. Gut, dass die Haupterntearbeiten abgeschlossen waren, auch auf den Feldern des Grafen. Den Kindern freute es, denn es gab jetzt Zeit sich in den vielen Seen und Kolken abzukühlen. Auf dem Schlosshof angelangt, teilte der Rittergutspächter Karl Friedrich Wagner ihm mit, dass der Graf abgereist sei. Langsam ging er zum Gemeindehaus zurück und vertiefte sich dabei in die Zeilen des erhaltenen Briefes.

Am 19. Juli 1870 hatte Frankreich dem Norddeutschen Bund den Krieg erklärt. Von Flatow schrieb von einer einmütigen Begeisterung in Wittenberg und auch in Treuenbrietzen.
Man trat unter die Waffen, geeint wie nie zuvor unter dem Oberbefehl Wilhelm I. (1798-1888) König von Preußen. Dass der „Eiserne Kanzler“ Fürst Otto von Bismarck (1815-1898) dabei seine Hände im Spiel gehabt hatte, durch das Verfälschen einer Depesche aus dem Kurort Ems, wird Generationen von Historikern und Journalisten beschäftigen. Die geschichtlichen Hintergründe waren aber die dynastischen Interessen in Europa am spanischen Königsthron.

Am 23. Juli setzte sich das Infanterie-Regiment Nr. 20 in Marsch, nicht zu Fuß, sondern per Eisenbahnfahrt vom Bahnhof Wittenberg über Dessau-Magdeburg-Braunschweig-Hannover-Bielefeld-Hamm-Dortmund-Köln.
Ob die eingezogenen jungen Wartenburger Männer in diesem Regiment kämpften, ist nicht nachweisbar. Sicher ist, dass diese in Wittenberg stationierte Truppeneinheit zur 11. Infanterie-Brigade unter Generalmajor Louis von Rothmaler (1814-1884) gehörte, damit der 6. Infanterie-Division unter Generalleutnant Gustav Karl von Buddenbrock (1810-1895) und somit dem III. Armeekorps unter Generalleutnant Constantin von Alvensleben (1809-1892) der 2. Bundesarmee unterstand. Der große Generalstab befand sich inzwischen in Mainz mit seinem Chef Helmuth von Moltke (1800-1891), volkstümlich als der große Schweiger bekannt und im heutigen Berlin noch als Denkmal zu bewundern.
Befehlshaber der 2. Bundesarmee war Friedrich Karl von Preußen (1828-1885), ein Neffe des preußischen Königs, den man nach seiner Husarenuniform den Roten Prinzen nannte. Diesem setzte der später berühmte Theodor Fontane (1819-1898) im neuverfassten Ergänzungsband Wanderungen durch die Mark Brandenburg ein literarisches Denkmal mit der Beschreibung seines Jagdschlosses Dreilinden südlich von Berlin.

Aber nun, zur Mittagszeit des 23. Juli, stand Fontane in seiner Sommerwohnung in Warnemünde, schaute aus dem Fenster auf den Alten Strom. In den Händen hielt er einen gerade verfassten Brief an seinen langjährigen literarischen Freund Karl Zöllner (1821-1897) und überflog noch einmal die Zeilen. Er las innerlich, dass er es nachvollziehen kann, wenn dieser „unter den obwaltenden Umständen nicht kommt. … Daß ich statt der patriotischen Erregung (ich kann mir nicht helfen, unendlich viel Blech…) hier Stille habe, tut mir wohl, soweit ich sie habe.“
Auch erwähnt er seinen ältesten Sohn Georg (1851-1887):
„Seine Kriegsausrüstung zu bezahlen, und wenn ich 6 Hemden versetzen sollte, wäre mir eine freudige Pflicht“, beklagt sich aber wiederum über ihn; für dessen „… gemachten Schulden aufkommen zu sollen, ist mir über den Spaß und verdirbt mir die Stimmung … In diesen Nöten flieh ich zum alten Goethen und lese …“ und bemerkte zwischendurch, „In den letzten Tagen hatten wir Sturm und Regen; am Donnerstag goß es mit Kannen.“

 Anfang August schrieb er, inzwischen in Dobbertin, an seine Frau Emilie (1824-1902):
„Das ganze wirkt auf mich wie eine kolossale Vision, eine vorüberbrausende wilde Jagd, man steht und staunt und weiß nicht recht, was man damit machen soll. Eine durch Eisenbahnen regulierte Völkerwanderung, organisierte Massen, aber doch immer Massen, innerhalb deren man … nicht draußen stehend, … sondern dem großen Zuge willenlos preisgegeben … mitleidlos gedrückt, gestoßen, gewürgt, ein Opfer dunkler Triebe und Gewalten. Manche lieben das … ich bin zu künstlerisch organisiert, als daß mir wohl dabei werden könnte … Vielen Dank für Deine freundlichen Zeilen von gestern, ich erhielt sie beinah gleichzeitig mit der Siegesnachricht. Das V. Corps und die Schlesier scheinen ihren alten Ruhm aufrechterhalten zu wollen. Es werden nun wohl die großen Schläge rasch folgen. Mein Herz schlug mir höher bei dieser Nachricht, und doch konnte ich ein Schmerzgefühl nicht loswerden. Wozu das alles? um nichts! Bloß damit Lude Napoleon festsitzt – um solcher Chimäre willen der Tod von Tausenden!“   

                                         

Am Abend des 23. Juli 1870 saß das Haupt und die Seele der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) in seiner Wohnung in London an seinem Arbeitstisch, legte einige Bogen Papier zurecht und schrieb als Korrespondierender Sekretär in verschiedenen Sprachen eine erste Adresse an die Sektionen der IAA in Europa zur Frage des kommenden Krieges. Erfreut hatte Karl Marx (1818-1883) die Nachricht aus Deutschland aufgenommen, dass im Norddeutschen Reichstag Abgeordnete bei der Abstimmung über die Kriegskredite sich der Stimme enthielten: August Bebel (1840-1913) und Wilhelm Liebknecht (1826-1900). So der Vater, wie später der Sohn.

Schon am frühen Morgen war Marx mit Post überhäuft worden. Besonders das ausführliche Schreiben aus Manchester seines Freundes Friedrich Engels (1820-1895) fesselte ihn. Darin entwickelte dieser den Plan über den Verlauf des Krieges in einer 1865 neu gegründeten Londoner Abendzeitung zu schreiben. „Ich hätte wohl Lust, … 2 Artikel wöchentlich über den Krieg … zu machen; ich will einen über die Militärorganisation probeweise anfertigen.“ Bei der Vermittlung sollte der liebe Mohr in London helfen. Außerdem versprach sich Engels einige Guineen zu verdienen. „Kannst Du das morgen in Ordnung bringen, so laß mich’s gleich wissen. Als Korrespondent ins preußische Hauptquartier zu gehen, hat viele Haken … würde dort weniger kritischen Blick haben als hier.“ Nun folgten auf zwei Seiten detaillierte Angaben über die Aufstellung der Norddeutschen Bundesarmee, insbesondere über Ersatztruppen, „…es sind die besten Bataillone der Armee.“ Auch die Einheiten aus Bayern, Württemberg und Baden listete er auf. „Die Süddeutschen schlage ich so niedrig wie möglich an. Kavallerie und Artillerie lasse ich ganz aus dem Spiel, um nur die Stärke an Infanterie zu vergleichen, weil diese entscheidet.“       Dann wandte er sich der französischen Armee zu und gab zu bedenken: „Jedenfalls reichen die ausgebildeten Mannschaften nur hin, die organisierten Linienbataillone auf Kriegsfuß zu setzten.“ 

Wenige Tage später antwortete Marx: „Dear Fred, ich habe sofort Deinen Artikel an den „Pall Mall Editor expediert, mit der Bitte, ihn sofort zu retournieren, wenn er nicht drucken will. Ich zweifle nicht, in diesem Fall die Sache bei Times oder Daily News anzubringen.“

Schon Tage später begann Herausgeber Frederick Greenwood (1830-1909) in seiner Pall Mall Gazette den ersten Artikel zu veröffentlichen.  Bis Februar 1871 werden Engels umfangreiche Darstellungen Über den Krieg und ergänzende Berichte erscheinen. Bis September 1870 entwickeln Marx und Engels zum Ereignis einen intensiven Briefwechsel, der dann entfällt, als der „General“ aus Manchester nach London übersiedelt und beide sich nun fast tagtäglich sehen konnten.

Inzwischen hatte am 25. Juli das 3. Brandenburgische Infanterie-Regiment Nr. 20 aus Wittenberg Quartier im rheinländischen Bingerbrück genommen, fuhr weiter über das saarländische St. Wedel Richtung französische Grenze und war ab dem 2. August in erste Kampfhandlungen verwickelt. Ein Füssilier-Bataillion bezog am Abend vor dem 6. August einen Vorposten auf den Spicherner Höhen, südlich von Saarbrücken, wo es am Tag zu einem ersten größeren Schlagabtausch kam. Danach ging es weiter, die französischen Festungen umgehend, über die Mosel mit anschließendem Biwak.

Am 16. August wurde 5 Uhr früh zum Aufbruch in Richtung Mars-la-Tour geblasen, dort in unmittelbarer Nähe zum Einschwenken gegen die vor Ihnen liegende Ortschaft befohlen im Verband der gesamten 6. Infanterie-Division. Die Wittenberger traten nun, in Front gegen das Dorf Voinville und den abseits gelegenen Friedhof, in einen 12stündigen Kampf. Sie warfen die Franzosen auf die bekannte Römerstraße zurück und erwarben sich unvergleichlichen Ruhm, wie es später in einem Bericht heißen wird.

Irgendwo in dieser Schlacht um Mars-la-Tour verlor der Wartenburger Adolph Gustav Kapphammel sein Leben.

In diesem blutigen Gemetzel kam es zur historisch großen Reiterschlacht, zum oft auf Bildern dargestellten berühmten „Todesritt der Brigade Bredow“. Diesem Generalleutnant  Adelbert von Bredow (1814-1890) widmende Fontane in einer Neubearbeitung des 4. Bandes seiner Wanderungen eine literarische Erinnerung.

Am 18. August wiederholte sich in Richtung der Festung Metz das gegenseitige Abschlachten bei Gravelotte und St. Privat. Für den preußischen Sieg wollte sicherlich auch der Wartenburger Johann Wilhelm Morche kämpfen, doch er bezahlte mit seinem jungen Leben. Erinnernd und mahnend dazu Zeilen aus dem Gedicht Die Trompete von Gravelotte von dem Dichter Ferdinand Freiligrath (1810-1876), einem früheren Freund von Marx und Engels.

Doch ein Blutritt war es, ein Todesritt;              
Wohl wichen sie unsern Hieben,
Doch von zwei Regimentern, was ritt und was stritt,
Unser zweiter Mann ist geblieben.   

Die Brust durchschossen, die Stirn zerklafft,                      
So lagen sie bleich auf dem Rasen,                                              
In der Kraft, in der Jugend dahingerafft, –                                   
Nun, Trompeter, zum Sammeln geblasen!

Und er nahm die Trompet’, und er hauchte hinein;   
Da, – die mutig mit schmetterndem Grimme
Uns geführt in den herrlichen Kampf hinein,                
Der Trompete versagte die Stimme.

 

Beim Angriff auf St. Privat wurde der Leutnant Wolfgang Graf Yorck von Wartenburg (1840-1870)
schwer verwundet und verstarb sieben Tage später.

 

Das Gros des III. Armeekorps stand zwar bei Vernèville in Bereitschaft, aber die Truppeneinheiten der 11. Infanterie Brigade, darunter die Wittenberger, kamen nicht ins Feuer. Glück? Nein, das Hauen und Stechen ging weiter.
Dann am 1. September 1870 wurde die französische Festung Sedan von großen Teilen Armeen des Norddeutschen Bundes eingeschlossen und am späten Abend auf dem Turm die weiße Fahne gehisst.

Eigentlich hätte der Krieg, siegreich für die deutschen Länder, beendet sein können. Kaiser Charles-Louis-Napoleon (III.) Bonaparte (1808-1873), Neffe des großen Napoleon, übergab zwar seinen Degen, lehnte aber eine Unterzeichnung ab. Denn in Paris war die Dritte Republik durch eine neue Regierung ausgerufen worden und meldete Widerstand an.

 

Die Pall Mall Gazette in London veröffentliche dazu Engels aktuelle umfangreiche Berichte. Hatten er und Marx in der ersten Phase des Krieges noch von einem gerechten monarchistischen Verteidigungskrieg gesprochen, so verurteilten sie nun seine Weiterführung heftig als Raubkrieg, vor allem wegen der beabsichtigten Lostrennung von Elsass-Lothringen.

Dazu schrieb am 3. September Bismarck noch zurückhaltend an seine Frau Johanna (1824-1894):
„… habe in der Zwischenzeit die große Schlacht von Sedan am 1. erlebt, in der wir gegen 30000 Gefangene machten und den Rest der französischen Armee … in die Festung warfen, wo sie sich mit dem Kaiser kriegsgefangen ergeben mußten. Gestern früh 5 Uhr, nachdem ich bis 1 Uhr früh mit Moltke und den französischen Generälen über die abzuschließende Kapitulation verhandelt hatte, weckte mich der General Reille, den ich kenne, um mir zu sagen, daß Napoleon mich zu sprechen wünschte. Ich ritt ungewaschen und ungefrühstückt gegen Sedan, fand den Kaiser im offenen Wagen … daneben auf der Landstraße … Ich saß ab, grüßte ihn höflich und fragte nach seinen Befehlen. … Unsere Unterhaltung war schwierig, wenn ich nicht Dinge berühren wollte, die den von Gottes gewaltiger Hand Niedergeworfen schmerzlich berühren mußten. … Der vor- und gestrige Tag kosten Frankreich 100000 Mann und einen Kaiser. Heute früh ging letzterer mit allen einen Hofleuten, Pferden und Wagen nach Wilhelmshöh bei Kasel ab.“

Vier Tage später wurde er im Brief an seinen ältesten Sohn Herbert (1849-1904), der als Leutnant bei Mars-la-Tour verwundet worden war, schon deutlicher:

„In Paris ist Republik, ob sie sich hält, wie sie sich entwickelt, müssen wir abwarten. Mein Wunsch wäre, daß wir die Leute dort etwas in ihrer Sauce schmoren lassen und uns in den eroberten Departements häuslich einrichten, ehe wir weiter vorgehen. Tun wir es zu früh, so verhindern wir damit, daß sie sich untereinander entzweien. Lange kann ihr innerer Frieden mit dieser ziemlich sozialistischen Gesellschaft an der Spitze nicht dauern.“

Und am 23. September 1870: „Ich habe hier mit den Franzosen … schon dreimal stundenlang verhandelt, sie bekamen aber über das Elsass noch immer so schweres Bauchgrimmen, daß wir abbrechen mußten. Fünftausend Millionen Franken glauben sie zahlen zu können und schienen bereit dazu, wenn wir ihnen Straßburg ließen.“

Auch wenn die deutschen Truppen begannen die französische Hauptstadt einzuschließen, so gelang dem neuen französischen Innenminister Lèon Gambetta (1838-1882) eine spektakuläre Flucht mit einem Heißluftballon in den Süden des Landes, um dort neue Verbände zur Entsetzung von Paris zu organisieren und die entstehenden französischen Freischärlereinheiten machten es den regulären deutschen Truppen nicht leicht. Sie sollten kleinere Gruppen der einmarschierenden Armeen aus dem Hinterhalt angreifen, wichtige Brücken und Tunnel sprengen oder Telegrafenleitungen zerschneiden, um deren Vormarsch aufzuhalten und die Soldaten zu zermürben.

Inzwischen war Fontane Ende September nach Frankreich abgereist, um als erfahrener Journalist vor Ort von den Ereignissen zu berichten, auch um seinen Fähnrich Georg Fontane zu finden.

Lesenswert Der Krieg gegen Frankreich 1870-1871 in 2 Bänden, darunter die verhängnisvolle Schlacht von Gravelotte, auch die späteren zwei Bände Aus den Tagen der Occupation, denn sie widerspiegeln seine kritische Sichtweise der Ereignisse.

Noch am 4. Oktober teilte er seiner Frau aus dem etwa 150 km südlich von Sedan gelegenen Toul, dass am 23. September nach stundenlangem, schwerem Artilleriebeschuss kapituliert hatte, salopp mit: „…, wenn man fast 8 Tage in einem Lande ist …, will man doch auch etwas davon gesehn haben. Das Essen ist gut, das Frühstück erbärmlich; der ‚Tischwein‘ das Schrecknis aller Deutschen. …   In etwa einer Stunde will ich von hier … fahren, morgen aber den Berg St. Michel, von dem aus Toul bombardiert wurde, und die Gartenmauer aufsuchen, hinter der George und sein Bataillon lag.“ Er wollte unbedingt seinen Sohn treffen, wurde aber bei seinen „Exkursionen“ ins Umfeld unter dem Verdacht der Spionage aufgegriffen, festgenommen und ins 180 km südlich gelegene Besancon zum Verhör gebracht. Von dort schrieb er am 27. Oktober nun ernsthafter: „Ich wurde am 5. verhaftet; am 8., spätestens am 9. war die Krisis vorüber, und von da an handelte es sich nur noch um die Frage, ob ich unverzüglich in Freiheit gesetzt oder … interniert werden würde. … Welche Tage! In Stunden die Erlebnisse von Jahren zusammengedrängt; … Daß ich Dir diese Schmerzen bereitet habe, tut mir in der Seele leid; … Küsse die Kinder; wie immer Dein alter Leichtsinn.“

Dass ausgerechnet Bismarck den Leichtsinnigen dann „raushaut“, sei nur nebenbei bemerkt.

Im Verlaufe desselben Tages hatte die französische Nationalfestung Metz kapituliert. Die Truppe des Infanterie-Regiment Nr. 20 war vor Ort. Später sandten die Wittenberger Bürger ihnen dafür ‚reichliche Liebesgaben‘.

Am 28. Oktober zum Generalfeldmarschall ernannt, schlug Prinz Friedrich Karl nun mit seinem Armeekorps verschiedene Angriffe der Franzosen zurück, auch um sie vom Vordringen gegen Paris abzuhalten. Anfang Dezember ging man zur Offensive über und besetzte zahlreiche Ortschaften. Die Wittenberger 20er nahmen an diesen verschiedenen Kämpfen teil, am 4. Dezember auch an der Schlacht bei Orleans.

An diesem Tag starb ‚Mit Gott für König und Vaterland‘ der junge Wartenburger August Gustav Schulze.

Wartenburg, am Heiligabend 1870. In der überfüllten Kirche spürte man die angespannte Atmosphäre. Alle Augen, in einigen der Schmerz betroffener Familien, in andere freudige Erwartung sich widerspiegelnd, waren auf Pfarrer Brunner gerichtet, der mit seiner Andacht, erst leise beginnend, dann immer kraftvoller wurde …

Auf der Tafel in der Kirche erinnert heute:

Die gefallenen Helden ehrt dankbar
die Gemeinde Wartenburg

Helden? Dankbar? Bewahren wir diese Tafel als Mahnung!

Mahnend schon damals Engels Schrift Kann Europa abrüsten? von 1893, worin er die Gefahr eines Weltkrieges in Europa voraussah.

(Wolfgang Kunze)                   

Bildquellen: Wikipedia
Literatur:
Gustav Wernecke: Warrtenburg einst und jetzt, Wunschmanns Buchhandlung, Wittenberg 1913, ND 2003 
Kriegsgeschichte des Königlich Preußischen Infanterie-Regiments Graf Tauentzien v. Wittenberg (3. Brandenb.) Nr.20
     Verlag B. Sporn, Zeulenroda (Thüringen), o.J.                                                                   
Karl Marx/Friedrich Engels:      Briefwechsel IV. Band 1868-1883, Diez Verlag Berlin 1950                                      
Michael Stürmer:                    Die Reichsgründung, Deutscher Taschenbuch Verlag München 1984                                               
Otto von Bismarck:                 Dokumente seines Lebens  1815-1898, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1986
Bibliothek deutscher Klassiker:  Fontanes Briefe in 2 Bänden, Aufbau Verlag, Berlin u
nd Weimar 1989, 3. Auflage
P. Neugebauer:                      Spaziergänge in und um Klein-Oels, Ohlau 1924
Sachwörterbuch der Geschichte Deutschlands, Band 1 und 2, Dietz Verlag Berlin 1969

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