Wartenburg tanzte im Takt der Erinnerung – ein Abend ganz im Zeichen von Depeche Mode
Wartenburg. Samstagabend, der 25. April, fühlte sich an wie eine kleine Zeitreise. Als hätte jemand die Tür zu den 80ern einen Spalt weit geöffnet – und plötzlich waren sie wieder da: die Melodien, die man nie wirklich vergessen hat, die Texte, die man irgendwo tief im Herzen gespeichert hat, und dieses besondere Kribbeln, das nur Musik auslösen kann, die einen durch die Jugend begleitet hat. Knapp 100 Gäste folgten der Einladung zu einem Depeche‑Mode‑Abend, den einige Wartenburger mit viel Herzblut organisiert hatten – und trafen damit den Nerv vieler Fans.
Der Auftakt war außergewöhnlich: Sascha Lange aus Leipzig, Autor der Depeche‑Mode‑Trilogie, nahm das Publikum mit auf eine Reise zu den Anfängen der Band. In einer Lesung, die weit mehr war als „nur“ vorgelesene Seiten, erzählte er vom ersten Zusammentreffen der Bandmitglieder – von jungen Leuten aus Basildon (Essex, England), teils Klassenkameraden, die sich zusammentaten, um Musik zu machen. Eine Geschichte, die gerade deshalb so berührt, weil sie so unspektakulär beginnt: ein paar Jugendliche, ein Proberaum, ein Traum.
Aus den ersten drei Bandmitgliedern wurde 1980 schließlich jene Formation, die Musikgeschichte schreiben sollte – als der junge Dave Gahan dazukam. Auch Vince Clarke gehörte zu den frühen Köpfen der Band, bevor er später mit Yazoo eigene Wege ging – ein Name, der vielen im Saal sofort etwas sagte und Erinnerungen wachrief.
Sascha Lange las Auszüge aus seinen Büchern, untermalte sie mit Bild‑ und Tonmaterial, sprach oft frei, offen und nahbar. Immer wieder streute er Anekdoten ein – Geschichten aus einer Zeit, die er selbst und Freunde von ihm in den 80ern miterlebt hatten. Über zwei Stunden hinweg zeichnete er nach, wie sich Depeche Mode entwickelten, welche Alben entstanden, wie die Konzerthallen größer wurden und die Zahl der Fans stetig wuchs. Doch er verschwieg auch nicht die Schattenseiten: die Tiefen, die Krisen, die Momente, in denen selbst eine Weltband kämpfen muss.
Dass Sascha Lange der Sohn des Kabarettisten und Autors Bernd‑Lutz Lange ist, wundert nach diesem Abend niemanden: Sprache, Timing, Hintergrundwissen – alles passte. Die Lesung war einzigartig, kurzweilig und so überzeugend, dass man am Ende das Gefühl hatte, nicht nur Fakten gehört, sondern ein Stück Musikgeschichte erlebt zu haben.
Gegen 20.30 Uhr wechselte die Stimmung von der Erzählung zur Bewegung: Die Band Hottstoff übernahm die Bühne. Mit vielen Songs – darunter natürlich auch Depeche‑Mode‑Titel – wurde getanzt, gelacht, mitgesungen und geschwelgt. Der Höhepunkt des Live‑Teils war für viele ganz klar die Zugabe: „Nova (Shine a light on me)“ von VNV Nation – ein Moment, der den Saal noch einmal bündelte, als würde sich alles in diesem einen Song sammeln.
Ab etwa 22.30 Uhr gehörte die Nacht dann den DJs. Jetzt war es endgültig eine Party: Depeche Mode rauf und runter, Elektrosound der 80er, textsichere Stimmen auf der Tanzfläche und eine Stimmung, die man nicht planen kann – die entsteht oder eben nicht. An diesem Abend entstand sie. Und sie blieb.
Ein großes Dankeschön gilt dem Verein Fabelhafte Wartenburg für die Bewirtung und die Unterstützung. Der besondere Dank aber geht an die Organisatoren, die diesen Abend möglich gemacht haben – mit Gespür, Einsatz und Liebe zum Detail.
Und als die letzten Töne verklungen waren, war da vor allem ein Gedanke, den viele mit nach Hause nahmen: Das war nicht nur eine Party. Das war ein gemeinsames Erinnern. Ein gemeinsames Feiern. Und ein Versprechen.
Die Vorfreude auf die nächste DEMO‑Party 2027 ist jetzt schon spürbar.
Jana Müller




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